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Jugendgefährdung: Lesemedien & Hörmedien
Musik ist eine Abfolge von Tönen, Musik ist grundsätzlich unpolitisch. Zudem hat Musik insbesondere für Jugendliche neben dem aktiven Musizieren eine wichtige Funktion des Mood managing, der Unterstützung der eigenen Gefühle durch Musik. Menschen entwickeln für verschiedene Stimmungen sehr unterschiedliche musikalische Bewältigungsstrategien. Dadurch wird die Musik aber interessant und anfällig für politische Vereinnahmung und zum Transport eines jeden und damit auch jugendgefährdenden Inhalts.
Die Gründungsbezeichnung "Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften" benennt schon das Leitmedium der Indizierungsarbeit im Sinne des Jugendmedienschutzes seit 1954. Wenn auch ständig neue Medien hinzukommen, sind Druckwerke immer noch Träger jedweden jugendgefährdenden Inhalts. Insgesamt nimmt jedoch ihre Bedeutung in der Indizierungsarbeit kontinuierlich ab.
"Rechtsrock"
"Rechtsrock" - als Synonym für alle Genres - nimmt im Spektrum des Rechtsextremismus einen zentralen Platz ein. Rockkonzerte transportieren als geschickt inszenierte Verbindung von Freizeitwert, Kameradschaft und Gemeinschaftsgefühl offen oder verbrämt politische Botschaften. Das Gewand ist jugendlich und modern, die völkisch-rassistischen jugendgefährdenden Inhalte sind geblieben: Verherrlichung des Nationalsozialismus, Darstellung von Adolf Hitler und seiner Parteigenossen als Vorbilder (oder tragische Helden), Anreizen zum Rassenhass, Aufruf zu Gewalt gegen Ausländer, Juden, Andersdenkende.
Außer Jazz und klassischer Musik gibt es kein Musikgenre, das nicht von rechtsextremen Organisationen infiltriert ist und zum Transport rechtsextremistischer Inhalte benutzt wird:
- Skinhead-Bands
- NS-Black-Metal
- Hatecore
- Techno Musik
- Hip-Hop
- volkstümliche Musik
- Liedermacher
- Neofolk
"Rechtsrock" wirkt: Bestimmte, politisch eingefärbte Erkenntnis- und Verhaltensweisen gehen eine feste Verbindung mit Rockgruppen, Rocktexten und Rockmusik ein, so dass Rechtsrock alleine die emotionalen, kognitiven und aktionalen Ereignisse auslösen kann: von der Sachbeschädigung bis zur Jagd auf Ausländer.
Death Metal/Dark Metal
Death Metal als Variante des Metal behandelt meistens die Thematik des Todes und des Leidens, teilweise mit nihilistischen, satanistischen aber auch gesellschaftskritischen Themen. Die teilweise zügellose Beschreibung von Gewalt als eine Reaktion auf eine scheinbar hoffnungslose Weltsicht, von brutalen Szenen mit gefolterten, erschlagenen oder sonst grausam zu Tode gebrachten Opfern, z.T. in Verbindung mit brutalen CD-Covergemälden bei der Band "Cannibal Corpse" ist schwer jugendgefährdend.
Der Dark Metal greift Einflüsse aus dem Black Metal, dem Gothic Metal, dem Death Metal auf. Häufig spielten diese Bands vorher Musik, die sich einem der zuvor genannten Genres zuordnen lässt. In Anlehnung an den meistens düsteren Grundtenor der stilistischen Vorläufer wurde der Ausdruck "Dark-Metal" geläufig. So sind die Texte der Band "Eisregen" von Horror- und Splatterfilmen geprägt, es werden kannibalistische und nekrophile Praktiken beschrieben. Der Inhalt wirkt verrohend bzw. zu Gewalttätigkeit oder Verbrechen anreizend und sozial-ethisch desorientierend. Die grausamen menschenverachtenden, frauenfeindlichen und verrohenden Texte sind jugendgefährdend.
Hip-Hop, Porno- oder Gangsta-Rap
Bushido "Staatsfeind Nr. 1", Sido "Schlechtes Vorbild", Frauenarzt "Porno Party", Bass Sultan Hengzt "Rap braucht kein Abitur", King Orgasmus One "Fick mich ... und halt Dein Maul!" - "gerade die derbsten Raps verkaufen sich blendend, (...). Unter dem Deckmantel von Hip-Hop-Kultur lässt sich Pornographie an ein ganz neues Publikum verkaufen." (Peters Th. 2005) Als Migrantenkind aus dem Märkischen Viertel in eine Wunschwelt zu entfliehen und mit Straßenkreuzer, Bikinimädchen, coolen Drinks am Strand entlangzufahren ist die Vorstellung von Party, Karneval, Urlaub. Ein scheinbarer Freiraum mit Drogen und Pornografie wird vorgegaukelt.
Porno-Rap wirkt desorientierend in einer Entwicklungsphase, in der Jugendliche auf der Suche nach sexueller Orientierung sind. Die selbstverständliche Verbindung von Sexualität und Gewalt ist jugendgefährdend ebenso wie die Aufforderung zur Nachahmung. Gleiches gilt, wenn ein Medium frauendiskriminierende Praktiken anpreist, sadistische Vorgehensweisen als luststeigernd propagiert oder es Vergewaltigung als Lusterlebnis darstellt.
Pornozeitschriften
Publikumszeitschriften mit pornografischem Inhalt sind nicht nur jugendgefährdend, sondern schwer jugendgefährdend im Sinne von § 15 Abs. 2 Nr. 1 JuSchG, § 184 Abs. 1 StGB. Eine Darstellung ist pornographisch wenn sie unter Ausklammerung aller sonstigen menschlichen Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher Weise in den Vordergrund rückt und ihre objektive Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend nur auf das lüsterne Interesse des Betrachters an sexuellen Dingen abzielt. Z.B.: Fotos von Paaren beim Anal-, Vaginal- und Oralverkehr, nackte Männer oder Frauen mit weit gespreizten Beinen, so dass die Vagina den Bildmittelpunkt darstellt, Bilder und Kommentare, die die abgebildeten Frauen zum bloßen auswechselbaren Sexobjekt degradieren. Der Inhalt von Pornozeitschriften ist daher offensichtlich geeignet, Kinder und Jugendliche sozial-ethisch zu desorientieren. Damit ist jede Darstellung von Sexualität erfasst, die den Zielen gefühlsbejahender und normenkritischer Sexualerziehung - zu denen auch die Annahme von Sexualität als positive Lebensäußerung gehört - massiv zuwiderläuft.
Jugendgefährdende Inhalte in (Jugend-)Zeitschriften
Publikationen sind schwer jugendgefährdend, die Gewaltverherrlichung, den sexuellen Missbrauch von Kindern oder sexuelle Handlungen von Menschen mit Tieren, sexuelle Handlungen, die unter Gewaltanwendung zustande kommen, beinhalten.
Besonders zu beachten ist in diesem Zusammenhang die Tatsache der Vorausindizierung für regelmäßig erscheinende Publikationen bei drei indizierten Ausgaben in einem Jahr. Redaktionen von Jugendzeitschriften müssten somit eine erhöhte Sensibilität in Bezug auf jugendgefährdende Inhalte haben, dennoch kommt es immer wieder zu Anregungen/Anträgen u.a. wegen Pornografie, Drogenverherrlichung, Gewaltverherrlichung, Darstellung von Kindern in unnatürlich geschlechtsbetonter Haltung.
Fanzine
Fanzines sind Magazine, die von Fans für Fans gemacht werden. Sie werden oft fotokopiert oder im Offsetdruck vervielfältigt. Rechtsextremistische Fanzine sind periodisch erscheinende Broschüren, die innerhalb der Skinheadszene vertrieben werden, um u.a. über musikalische Neuerscheinungen der Skinhead-Musik zu informieren, Konzerttermine anzukündigen und über Musikveranstaltungen zu berichten. Die Fanzine sind jugendgefährdend, z.B. wenn sie für indizierte CDs werben oder dazu aufrufen, die in den Texten der Skinhead-Musik propagierte Gewalt gegenüber Ausländern und Andersdenkenden in die Tat umzusetzen.
Der Medienmarkt ist sehr dynamisch, so dass immer wieder neue Objekte und Inhalte auftauchen, die nicht in die oben genannten Kategorien passen und für Kinder und Jugendliche eine Gefahr darstellen können. Eine Aufzählung von Möglichkeiten, Chancen und Risiken kann daher nie vollständig sein.

