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Mediengewalt als Risiko
ERGEBNISSE DER WIRKUNGSFORSCHUNG
Kinder und Jugendliche: Unterschiedliche Wahrnehmung und Verarbeitung von Mediengewalt
Mediengewalt stellt nur einen Faktor innerhalb eines komplexen Bündels von Ursachen für die Entstehung gewalttätigen Verhaltens dar. Negative Medieneinflüsse können durch ein positives soziales Umfeld aufgefangen werden, negative Erfahrungen im sozialen Nahraum (z.B. Gewalterfahrungen in der Familie) durch negative Medieneinflüsse deutlich verstärkt werden.
Daraus ergibt sich: Nicht jede(r) Heranwachsende, die/der einen Video- oder Fernsehfilm sieht oder ein Computerspiel spielt, ist in gleicher Weise durch die erlebte Mediengewalt beeinflussbar. Bestimmte Inhalte können auf bestimmte Menschen auch dann eine große Wirkung haben, wenn sie bei der Mehrzahl der Zuschauerinnen und Zuschauer keine Verhaltensänderung bewirken. Die persönlichen Eigenschaften der Heranwachsenden (z.B. Aggressivität) sowie deren Erfahrungen im sozialen Umfeld (Gewalt in der Familie etc.) beeinflussen nicht nur die Verarbeitung von Gewaltdarstellungen, sondern schon deren Wahrnehmung.
Persönliche Eigenschaften und negative Auswirkungen von Mediengewalt
Persönliche Eigenschaften von Kindern und Jugendlichen, bei denen negative Auswirkungen von medialen Gewaltdarstellungen am ehesten zu erwarten sind:
- geringes Selbstbewusstsein
- aggressive Charaktereigenschaften
- niedrige Frustrationstoleranz
- Probleme bei der Gefühlregulierung
- gering ausgeprägte Empathie
- geringe Verfügbarkeit gesellschaftlich akzeptabler Problemlösungsstrategien
- fehlende Internalisierung gesellschaftlicher Werteorientierungen bzw. Verinnerlichung antisozialer "Wertemuster"
Mediengewalt ist nicht gleich Mediengewalt
Mediale Inhalte sind insbesondere dann als problematisch einzuschätzen und erhöhen das Risiko der Anfälligkeit für gewalttätiges Verhalten, wenn in ihnen
- Gewalt auf sehr realistische Weise dargestellt wird,
- Gewalt in humorvollem Zusammenhang gezeigt wird,
- Gewalt gerechtfertigt erscheint,
- Gewalt von attraktiven "Heldinnen" bzw. "Helden" mit hoher Identifikationskraft ausgeht,
- Gewalt von Handelnden ausgeht, die erfolgreich sind und für ihr Handeln belohnt bzw. zumindest nicht bestraft werden,
- dem Opfer kein sichtbarer Schaden zugefügt wird ("saubere Gewalt").
Quintessenz: Medienwirkung ist von sozialen und persönlichen Bedingungen abhängig
Auswirkungen auf die Gewaltbereitschaft sind am ehesten bei jüngeren, männlichen Vielsehern zu erwarten, die in Familien mit hohem Medien(gewalt)konsum aufwachsen und in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld (d.h. in Familie, Clique) viel Gewalt erleben. Gewalt wird so als ein "normaler" Problemlösungsmechanismus erfahren. Doch bedeutet dies nicht, dass mediale Gewalt nur für bestimmte soziale Schichten problematisch sein können. Auch wenn Gewalt im sozialen Umfeld nicht offen zutage tritt, kann unter bestimmten Bedingungen häufiger medialer Gewaltkonsum problematische Auswirkungen zeigen. Dies gilt vor allem, wenn die Heranwachsenden bereits eine Persönlichkeit mit hoher Gewaltbereitschaft besitzen und Medieninhalte konsumieren, in denen Gewalt als etwas Positives oder Selbstverständliches dargestellt wird.


